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DER KOPF DER KATZE

Kurzspielfilm 2021
videopresse
FBW

Film - Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung:

An ihrem 7. Geburtstag ist Schluss mit Märchen und Spielsachen. Auf Geheiß der Mutter, mit der sie in einem abgeschiedenen Haus im Wald lebt, muss das Mädchen den „Raum der Emotionen“ verlassen und das rationale Denken lernen. Dafür hat die Mutter eine endlose Zahl von Lektionen vorbereitet. Gleich in der ersten muss die Tochter lernen zu verzichten. Damit beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt, in dem sie trainieren, arbeiten, alles lernen muss: Schießen und Dauerlauf, Biologie und Physik, Garten- und Hausarbeit, Holz sägen und Auto fahren. Außerdem erfährt sie alles über Planeten und Pilze. Die Tochter ist lernwillig, und die Mutter macht ihr ein Geschenk: einen „Hund“, der von nun an alle niedrigen Arbeiten übernehmen muss. Aber da hat die Tochter längst beschlossen, das Gelernte ganz praktisch anzuwenden.

Untermalt von unheimlicher Musik mit eingestreuten Störgeräuschen überfliegt die Kamera ein im Wald gelegenes Anwesen, vermisst und scannt einzelne Elemente – und wird abgeschossen. War es eine Überwachungskamera, waren es Außerirdische, drohte Gefahr? Gleich die Eingangssequenz vermittelt mit den entsprechenden Genre-Elementen von Horror- und Sci-Fi-Filmen jene Rätselhaftigkeit und Verunsicherung, die die Zuschauenden in den Bann ziehen und nicht mehr loslassen. Die Geschichte ist sehr clever und reduziert erzählt und wird getragen von den beeindruckenden Leistungen der Darstellerinnen Rosa Henriette Löwe als Tochter und Petra Schmidt-Schaller als Mutter, die minimalistisch und subtil agieren. Es gibt kein Wort zu viel und keine überflüssige Geste. Die Handlung wird in knappen Dialogen vermittelt und ist gegliedert durch die strengen Lektionen der Mutter. Uniformartige Kostüme, sparsame Dekors und entsättigte Farben lassen die Kälte und Absurdität der Situation spürbar werden.

Die zielsichere Indoktrination und der totale Mangel an Emotionalität nähren die Vermutung, dass Mutter und Tochter eventuell von einem fremden Planeten stammen und sich nur vorübergehend zum Zweck der Ausbildung und Fortpflanzung auf der Erde aufhalten könnten. Oder ist es ganz einfach so, dass das wahre Grauen in der Familie liegt, wo Kinder aufgrund der Ideologien oder Neurosen ihrer Eltern in ihrer Entwicklung gehindert werden? Der Verzicht auf das Materielle wird auch heute propagiert, und man assoziiert evangelikalen Sekten, die Prepper-Szene oder die Identitären Bewegung. Der Film gibt keine eindeutige Erklärung, verliert aber trotz der erzählerischen Offenheit nie den inszenatorischen Fokus und hält die Spannung hoch. So ist DER KOPF DER KATZE eine surreale, faszinierende Dystopie, die die Zuschauenden erschaudern lässt.
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film / Deutschland / Fiktion / 2021



Filmkritik:
Der deutsche Kurzfilm „Der Kopf der Katze“ von Harriet Maria und Peter Meining, der auf den 55. Hofer Filmtagen zu sehen war, erzählt basierend auf einem Erziehungsratgeber vom Anfang des 20. Jahrhunderts eine düstere Genre-Geschichte.


Abgeschieden lebt die 7-jährige Tochter (Rosa Henriette Löwe) mit ihrer Mutter (Petra Schmidt Schaller) in einer kühlen Umgebung zusammen. Jede kindliche Freude musste sie mit ihrem letzten Geburtstag abstellen und auch das versteckte Kuscheltier wird ihr irgendwann genommen. Denn die Mutter, welche die Tochter mit strenger Hand erzieht, ist überzeugt davon, dass Verzicht notwendig ist, um die Tochter bestmöglich auszubilden. 


Die beiden FilmemacherInnen Harriet Maria und Peter Meining, die seit vielen Jahren zusammen als Team, zuerst als MediakünstlerInnen-Duo arbeiteten, realisieren hier ihren zweiten Kurzfilm. In dem halbstündigen Spielfilm spielen sie mit diversen Genren wie Drama, Horror und Science-Fiction, schufen einen faszinierenden Rahmen zwischen Dystopie und Gegenwart und bauten ihre Geschichte auf einem verstörenden Erziehungsratgeber „Die Deutsche Mutter und Ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer aus dem Jahr 1934 auf.



Rosa Henriette Löwe und Petra Schmidt Schaller



Sie schrieben dafür zusammen das Drehbuch und schufen eine messerscharfe, gesellschaftskritische Geschichte, die unter die Haut geht. Sehr gut inszeniert und gedreht in einem ehemaligen Stellwerkhaus der Deutschen Bahn in Pirna (in der Nähe von Dresden) fanden sie die perfekte Location, die sie mit einem gelungenen Set-Design in die unterkühlte Wohnung verwandelten. Zudem ist er stark besetzt. So zieht einen der Film in seinen Bann, überrascht mit seiner konsequenten Erzählung und Umsetzung und funktioniert als gelungener Genre-Mix, der lange im Gedächtnis bleibt.


Fazit: „Der Kopf der Katze“ ist ein Kurzfilm der beiden Regisseurinnen Harriet Maria und Peter Meining, der wunderbar mit verschiedenen Genre-Elementen spielt und eine unter die Haut gehende Geschichte schuf, die einerseits stark im Fantastischen verankert ist, aber gleichzeitig auch gesellschaftskritisch seine Story konsequent zu Ende erzählt.



Neun Fragen an Harriet Maria und Peter Meining





Interview:
Im Gespräch mit den beiden FilmemacherInnen Harriet Maria und Peter Meining konnten wir mehr über ihren spannenden Genre-Kurzfilm „Der Kopf der Katze“, der auf den 55. Hofer Filmtagen zu sehen war, erfahren, wie sie die Geschichte aus einem früheren Erziehungsratgeber heraus entwickelten, wie bereits der Drehort die Atmosphäre des Films prägt und welche andere Aspekte ihn bei der Umsetzung am Herzen lagen. 


 


Was ist der Ursprung für euren Film?


In unser künstlerischen Arbeit beschäftigen wir uns oft mit moralisch, ambivalenten Fragestellungen. Beim Film „Der Kopf der Katze“ hat uns interessiert, wie sich Moral verändert, wenn sich das gesellschaftliche Umfeld — und daraufhin bestimmte Verhaltensregeln bzw. soziale Codes in einem familiären Gefüge verändern. 


Rosa Henriette Löwe

Ausgangspunkt war die Lektüre eines Erziehungsratgebers „Die Deutsche Mutter und Ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer, 1934 zum ersten Mal erschienen, war es einst ein gruseliger Bestseller, der Generationen in rigiden Erziehungsmustern bis in die 1980er Jahre prägte. Ein Kernthema ist, Kinder in ihrer Liebes- und Bindungsfähigkeit zu brechen, sich selbst als Mutter nicht so wichtig zu nehmen und auf emotionsloses Funktionieren zu trimmen. 


In welchem Rahmen konntet ihr in umsetzen? Wie lange hattet ihr Zeit für den Dreh? 


Das Drehbuch haben wir Anfang 2020 geschrieben und gedreht wurde dann unter Coronabedingungen im Oktober mit einem aufopferungsvollen und super professionellen Team an zehn Drehtagen in Pirna. Gefördert wurde der Film durch die MDM, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, das Kulturamt der Stadt Dresden und die SLM. 


Dystopie, Drama, Science-Fiction und Horror sind gleichermaßen vertreten. Welche Genre und welche Werke haben euch beeinflusst?



Rosa Henriette Löwe und Petra Schmidt Schaller



Wir sind Genre-Liebhaber und schauen sehr viele Filme. Sicher wird man da auch mehr oder weniger bewusst beeinflusst, einzelne können wir aber nicht hervor heben. 


Prinzipiell interessiert uns weniger Naturalismus oder ein dokumentarischer Ansatz, sondern vielmehr die Transformation von Realität in eine auch für uns unbekannte — oder wie in diesem Fall — verstörende Welt. Angeregt sind wir immer bei Filmen deren Handlung über sich selbst hinausreicht und Fragen oder Unsicherheit bei uns Zuschauern auslösen, die einen dann im Nachgang beschäftigen. 


Wie habt ihr die Welt von Mutter und Tochter inszeniert? Worauf habt ihr visuell aber auch auf Tonebene Wert gelegt?
Mutter und Tochter sind die kleinste Zelle, ein geschlossenes System aus dem es für die Tochter kein Entrinnen gibt. Die dort geltenden Regeln bleiben für uns als Außenstehende unverständlich, für die Tochter sind sie logisch, weil sie nichts anderes kennt. Wir wollten diesen Zustand an einem Ort verdichten, in dem Alles in der Schwebe ist. Der gefundene Drehort war uns dabei eine große Hilfe, das ehemalige Stellwerk, was kein klassischer Wohnort ist, die schrägen Fenster, der Treppenaufgang etc. vermittelten für uns diese beklemmende Atmosphäre. Den Ton der Schauspieler, Setting, Sound etc. all das hatten wir vorher ziemlich genau im Kopf. 



Rosa Henriette Löwe und Petra Schmidt Schaller



Beim Dreh geht es dann um praktische Abläufe, wir waren an Zeiten gebunden, Rosa durfte maximal drei Stunden drehen und entgegen dem düsteren Thema hatten wir sehr viel Spaß beim Drehen. 


Das visuelle Konzept lag in den Händen der Kamerafrau Rebecca Meining. Sie legte Wert auf eine suggestive Kamera, die Bewegungen, Fahrten und viele Details mit einem subtilen und sehr aufwendigem Lichtkonzept kombinierte. Zusammen mit dem Sounddesign von Philipp Schwabe, in dem ganz bewusst auf vordergründige Musik verzichtet wurde, entstand für uns genauso ein verstörender Sog, wie wir ihn uns beim Schreiben des Drehbuchs vorgestellt hatten. 


Rosa Henriette Löwe und Petra Schmidt-Schaller als Mutter und Tochter sind großartig ausgewählt. Wie habt ihr die beiden gefunden? Stimmte die Chemie zwischen den beiden sofort?




Petra Schmidt Schaller



Rosa haben wir durch ein Casting gefunden und auf Anhieb gewusst, dass sie die Richtige ist. Auch mit Petra war es die erste Zusammenarbeit. Wir schätzen sie als Schauspielerin und hatten ihr das Drehbuch gesendet. Als sie dann zusagte, haben wir uns sehr gefreut, denn wie ja allgemein bekannt, sind die Rahmenbedingungen bei Kurzfilmprojekten immer idealistischer Natur. 


Die Beiden waren ein super Team und haben sich sehr gemocht.


Die Weltpremiere habt ihr in LA gefeiert. Wie hat das internationale Publikum den Film aufgenommen? Würdet ihr sagen, der Film besitzt etwas typisch Deutsches? 


Zur Premiere in LA können wir nicht so viel sagen, da wir leider coronabedingt nicht vor Ort sein konnten. Aber prinzipiell haben wir auch mit unserem ersten Sci Fi Film „Falter“ sehr gute Erfahrung in den USA gemacht. Auch „Der Kopf der Katze“ läuft bald wieder auf einem Festival in Kalifornien. 


Typisch Deutsch….das müssten Außenstehende beurteilen und deren Vorstellungen von „Deutsch“ definieren, wir selbst sehen den Film universell. 


Könnt ihr mir am Schluss noch ein bisschen mehr von euch erzählen und wie ihr zum Film gekommen seid?




Rosa Henriette Löwe



Wir arbeiten bereits seit Beginn der 90er Jahre zusammen. Viele Jahre unter dem Namen norton.commander.productions. und realisierten sehr viele verschiedene künstlerische Projekte, vor allem im Bereich der Darstellenden Künste. Fast immer spielte das Medium Film in den Arbeiten eine Rolle. Vor einigen Jahren haben wir nun den Schwerpunkt ganz auf die Filmarbeit gelegt. 


Habt ihr eine feste Arbeitsteilung?


Eine Arbeitsteilung gibt es nicht, Buch, Regie, Produktion etc. sind stets ein gemeinsamer Prozess, der mit den Jahren ganz selbstverständlich geworden ist. 


Sind neue Projekte geplant?


Ja wir arbeiten an neuen Projekten, ein Langspielfilm und ein weiterer Kurzfilm sind in Planung. 


Die Fragen stellte Doreen Matthei


www.testkammer.com

aktuell: 27.4.
"Der Kopf der Katze" gewinnt den Platin Award beim Filmfest in Houston/ Texas / USA

Weltpremiere: 11. 7. 2021 International Film Festival
"LA Shorts" Los Angeles/USA im Wettbewerb "Drama International"

Deutschlandpremiere - Wettbewerb
55. Internationale Hofer Filmtage
28.10. 20:15 //
weitere Vorstellungen 30.10. 15 Uhr/ 31.10. 18 Uhr
www.hofer-filmtage.com

TV Premiere
09.04.2022 MDR 0:10

Arctic International Filmfestival GOLDEN RAVEN FESTIVAL in der Antarktis 4.-17.OKtber 2021

2022
Februar: 10.-13.2. Wettbewerb
Medellín International Film Festival Kolumbien

6.4.- 13.4.
Poppy Jasper International Filmfestival - Kalifornien/ USA Wettbewerb

Filmfest Bremen
20.4.-1.5.
Wettbewerb Innovation

20.4.-24.4.
55. WorldFilmfest Houston/Texas USA
Wettbewerb

Landshuter Filmfestival 27.4. - 2.5.
Wettbewerb

Eine Mutter lebt zurückgezogen mit ihrer 7 jährigen Tochter in einem einsamen Haus. Die Mutter möchte das Kind zu einer Spezialistin ausbilden. Lektionen und Verzicht prägen den Alltag und die Erziehung des Kindes. Als das Kind ein Geschenk bekommt, ändert sich alles.

mit
Petra Schmidt Schaller, Rosa Henriette Löwe, Oskar Brandt

in Koproduktion mit 42Film

März 2021 FBW Prädikat "Besonders Wertvoll"